Aufsatz: Es ist schwer ein Mensch zu sein

Dinge als Ausdruck des Menschseins: „Es ist schwer ein Mensch zu sein“ – Ein Aufsatz

26.Juni 2017 /

Steffi Stangl ist kreativer Kopf von dinge divers, einer „Werkstatt für Biografie und Gegenstand in Berlin“. Gegenstände gelten für das Kunstprojekt als Speichermedien der Erinnerungen und Zeugnisse einer Biografie. So bietet dinge divers seinen „Kunden“ das „Trennen auf Probe“ an, etwa um sich von Gegenständen, die eine seelische Last für die Person bedeuten, loszumachen. In ihrem Aufsatz „Es ist schwer ein Mensch zu sein“ sind Dinge Ausdruck des Menschseins, also eine Art Repräsentanten. Steffi Stangl fragt nach dem Ursprung unserer Existenz, der Richtung des Strudels, der die Gegenstände, die für Augenblicke unser Leben begleiten, in sich aufnimmt.


„Jeden Morgen kehre ich zurück und erwache zwischen den Dingen der Menschheit. Sie waren alle schon da, als ich mit meinem ersten Schrei dazu gestoßen bin. Viele sind seither dazu gekommen.“

„[…] Pullis, T-Shirts, Röcke, Blue Jeans, Schals, Mützen, Taschen, Fahrkartenautomaten, Flaschen, Geniestreichs, Kaffeemaschinen, Mixer, Prittstifte, Schaufeln, Nägel, Sägen, Hämmer, Schleifen, Loops, Uniformen, Toiletten, Handschellen, […]“

„Und wiederum frage ich mich: wovon gehen die Dinge aus. Wohin führen sie?“

Bei diesem Beitrag handelt sich um einen künstlerischen Beitrag. Die Künstlerin Steffi Stangl von dinge divers wählte dafür bewusst das Medium eines Aufsatzheftes.

 

Seite 1:

„Ich bin anders als Pflanzen, Tiere, ein Stein und viele Lebensformen kann ich gar nicht sehen, weil sie viel zu klein sind. Ich bin auch anders als die anderen.“

 

Seite 2:

„Dann wurde die Nabelschnur durchtrennt. Mit einer Schere wurde sie auseinander geschnitten wie bei der feierlichen Eröffnung eines neuen Autobahnabschnitts. So wurde ich zu einem Individuum.“

 

Seite 3:

„Jetzt bin ich groß genug, um festzustellen, dass es von allen Lebensformen hier aus der Welt am schwierigsten ist, Mensch zu werden.“

„Ich werde nur einen winzigen Bruchteil von dem erleben, was für mich möglich wäre. Ich verhindere Erlebnisse aus Furcht vor Entscheidungen.“

Seite 4:

 

„Etwas: Eine Flocke im Schneesturm. Etwas, etwas, noch etwas, noch etwas, noch etwas, noch etwas, noch etwas, noch etwas.“

 

Seite 5:

„Jeden Morgen kehre ich zurück und erwache zwischen den Dingen der Menschheit. Sie waren alle schon da, als ich mit meinem ersten Schrei dazu gestoßen bin. Viele sind seither dazu gekommen.“

 

Seite 6:

„[…] Pullis, T-Shirts, Röcke, Blue Jeans, Schals, Mützen, Taschen, Fahrkartenautomaten, Flaschen, Geniestreichs, Kaffeemaschinen, Mixer, Prittstifte, Schaufeln, Nägel, Sägen, Hämmer, Schleifen, Loops, Uniformen, Toiletten, Handschellen, […]“

 

Seite 7:

„Und wiederum frage ich mich: wovon gehen die Dinge aus. Wohin führen sie?“

 

Seite 8:

„Der Sternenhimmel zeugt davon, was wir sind. Er bleibt die erhabene Metapher. Im Sarg der Gedanken fällt alles, zerfällt und kehrt zurück in den Strom relationsloser Schönheit.“

 

Seite 9:

„Der Mensch hatte die Zeit erfunden, etablierte den bizarren Zustand des Fortschritts. Er schreibt seine Geschichte. Seither leben wir in Schizophrenie.“

 

Seite 10:

„Ein Kreis, der an einer Stelle gewaltsam aufgebrochen und zu einer Geraden geschmiedet wird, ist eine Brücke ohne Grund und Abgrund. Damit ist nichts gewonnen. Er wird sich immer wieder genussvoll schließen.“

 

Seite 11:

„Ich wünsche das Gute, damit das Leben schön ist. Das Leben ist schön, vor allem wenn ich es liebe.“

 

Seite 12:

„Ich bin wie die Furche eines Fisches im Wasser oder eines Vogels in der Luft. Ich bin da wo zwei Wolkenfronten aufeinandertreffen.“

 

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