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Platzmangel in Großstädten – eine Studentin auf Wohnungssuche

06.September 2016 / von Ramona Dietrich

In Deutschland gibt es derzeit 2,7 Millionen Studenten – so viele wie noch nie. Und auch in den nächsten Jahren wird der Andrang an Hochschulen nicht weniger werden. Gerade für Studenten, die für das Studium in eine andere Stadt ziehen, bleibt die Suche nach einer eigenen kleinen Unterkunft nicht aus. So schwer, denkt man sich, kann das ja sicher nicht sein. Aber die aktuelle Wohnraumsituation legt mir so manches Hindernis in den Weg.


Schon bei der anfänglichen Online-Suche stoße ich auf erste Probleme: eigene Wohnung, WG-Zimmer oder doch ein Studentenwohnheim? Und was genau hat es mit dieser Zwischenmiete auf sich? Auf vielen Internetplattformen kann man nach Wohnungen in der gewünschten Umgebung suchen. Klar, dass für einen Studenten Faktoren wie Uni-Nähe, gute öffentliche Anbindung, Freizeitmöglichkeiten, ein nahegelegener Supermarkt und am besten auch noch ein Park für die Joggingrunde eine wichtige Rolle spielen. Ich klicke mich also durch die Wohnungsangebote und kann mich meistens direkt über die Plattform bewerben. Bestenfalls bin ich unkompliziert, spontan und lässig, aber auch strukturiert, sauber und ordentlich – aber auf keinen Fall pingelig. Ich sollte gesellig sein, aber auch mal allein auskommen. Und die lauten Partys der Mitbewohner stören mich natürlich nicht. Mit diesem Superhelden-Profil kann bei der Bewerbung doch nichts mehr schief laufen. Ich schicke also zehn Bewerbungen ab, hoffentlich war das nicht zu viel! Schon zwei Tage später kommt die erste Einladung zu einer Besichtigung, 13:10 Uhr in der folgenden Woche – warum nicht einfach Punkt 13 Uhr? Aber okay, Studenten haben ja Zeit. Nach einer langen Woche ohne Rückmeldungen kommt die zweite Einladung, leider dann aber auch schon die letzte. Nicht ganz den Erwartungen entsprechend, aber immerhin.

Los geht’s also zur ersten Besichtigung. Vorbildlich komme ich schon zehn Minuten früher. Ich finde mich vor einer langen Schlange an Menschen wieder, das muss das falsche Haus sein. Auf Nachfrage aber erfahre ich, dass genau hier die Besichtigung für das WG-Zimmer stattfindet. Das Mädchen vor mir hatte ihren Termin um 12:45 Uhr. Nach kurzem Zweifeln stelle ich mich dennoch hinten an und warte. Vielleicht bin ja genau ich die richtige Mitbewohnerin. Als ich nach 40 Minuten Wartezeit endlich an der Reihe bin, sitze ich auf der Couch im Wohnzimmer, den beiden WG-Bewohnern gegenüber. Sie beginnen, mir Fragen zu stellen. Währenddessen tragen sie Punkte in eine Tabelle ein. Ich komme mir vor wie in einer Casting-Show und genauso werde ich nach fünf Minuten auch wieder aus dem Zimmer hinausbegleitet. Am nächsten Tag kommt auch schon eine E-Mail mit der Absage – klar, bei einer Bewertung nach Tabelle braucht man sich nicht mehr lange Gedanken über die Bewerber machen.

Auch die zweite Besichtigung verläuft nicht besser. Zwar erwartet mich hier keine ellenlange Schlange vor der Haustüre, sondern ich werde nett empfangen und bekomme sogar einen Kaffee. Nach kurzem Small-Talk folgen auch hier wieder einige Fragen, wovon einige allerdings äußerst merkwürdig sind: Was für ein Tier ich gerne wäre? Mit welcher Zimmerecke ich mich am ehesten identifizieren könnte? - Suchen diese Leute wirklich einen Mitbewohner? Nach weiteren Fragen dieser Art werde ich nett verabschiedet und bekomme auch hier eine Woche später eine Absage. 

Schon stehe ich da, ohne eigene Wohnung, mit all meinen geliebten Klamotten und Möbeln. Eine neue Lösung muss her, vielleicht doch eine eigene kleine Wohnung? Nach kurzer Recherche und ein paar Bewerbungen aber stellt sich heraus, dass gerade im Univiertel die Mietpreise sehr hoch sind. Verhandeln lässt sich meist auch nicht, denn in Großstädten mit hoher Nachfrage findet sich immer jemand, der die teure Miete zahlt. Eine weitere Möglichkeit, die mir bezahlbar erscheint, ist das Studentenwohnheim: kleine gemütliche Zimmer mit vielen Studenten in der Nähe – langweilig wird es hier sicherlich nie. Die Wartezeiten sind allerdings oft lang – sehr lang. Manchmal bis zu mehreren Semestern. Eine schnelle Lösung ist das also nicht.

Bei meiner weiteren Suche findet sich die Zwischenmiete: durch die befristete Mietzeit zwar günstig, aber eben nur für eine bestimmte Zeit verfügbar. Als Übergangslösung scheint das aber erst einmal eine realistische Idee zu ein. Wie beim Studentenwohnheim stellt sich auch hier die Frage: Was mache ich mit meinen eigenen Möbeln, wenn ich in ein möbliertes Zimmer ziehe? Zum Mitnehmen reicht der Platz nicht, zu Hause wird mein Kinderzimmer jetzt aber zum Arbeitszimmer oder Fitnessraum umfunktioniert. Bei der Suche nach Möglichkeiten der Einlagerung stoße ich auf die Lösung des Selfstorage. Schon zu geringen Preisen für die kleineren Lagerabteile kann ich hier sowohl Möbel als auch Sommer- oder Winterklamotten lagern, bis ich in einer (hoffentlich bald gefundenen) neuen Wohnung ausreichend Platz dafür habe…

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