Selfstorage-Lagergebäude – eine baukulturelle Herausforderung

15.Mai 2016 / von Mauritz Lüps

Ein Projekt der Technischen Universität München beschäftigt sich mit dem baukulturellen Potenzial von Selfstorage-Lagergebäuden und ihrem Ortsbezug.


Lagern. Das Aufbewahren von Gütern für einen späteren Zeitpunkt ist seit Jahrtausenden ein menschliches Grundbedürfnis – angefangen beim existenziellen Lagern von Nahrungs- und Futtermitteln bis hin zum computergesteuerten Hochregal-Lager, das die ganze Welt mit Waren versorgt. Ob Zisterne, (Salz-)Stadl, Fruchtkasten, Hochsilo oder eine ganze Speicherstadt – die Tradition des Bauens von Lagerstätten reicht transkulturell weit in die Geschichte zurück. So stellt es seit je her eine architektonischer Herausforderung dar, den sich ändernden Bedürfnissen des Lagerns ein Gefäß zu entwerfen und dessen baukulturelles Potenzial dabei nicht außer Acht zu lassen.

Selber Lagern. In den letzten 15 Jahren entstanden allein im Münchner Stadtgebiet an die 20 sogenannte Selfstorage-Häuser – flexibel anmietbarer Lagerraum in unterschiedlichsten Größen, innenstadtnahe und für jedermann zugänglich. Eine Entwicklung mit wachsendem Bedarf, der noch lange nicht gedeckt ist. Nach Schätzungen verfügt jeder fünfte Haushalt in deutschen Großstädten über zu wenig Stauraum – ein Trend, der sich, neben dem ansteigendem Lager-Bedürfnis von Hausrat, auf die jüngeren Veränderungen der Wohn-, Arbeits- und Lebensrealitäten zurückführen lässt: Ansteigende Mietenpreise bei gleichzeitig erhöhter Arbeits- und Wohnflexibilität und -mobilität lassen Arbeitsnomaden entstehen: Kleinunternehmer wie Ebay-Händler, Powerseller, Pop-up Stores mit fluktuierendem Platzbedarf, Klein-Handwerker ohne eigene Werkstatt, Multi-Jobber, Messe-, Foto- und Montage-Teams...

So könnte ein Selfstorage-Gebäude nicht nur mit Lagerboxen ausgestattet werden, sondern auch über kurzfristig anmietbare Studios und Ateliers, Kontor-Büros/Office-Sharing Einheiten, Shared Desks, eine Mehrzweck-Halle und Foyer-Café im Erdgeschoss verfügen und so zum urbanen Leben beitragen.

Orte des Lagerns. Das Grundstück für ein neues Lagergebäude liegt am ehemaligen Münchner Südbahnhof. Seit den 80er Jahren abgebrochen, was an diesem Ort bis heute eine Brache hinterließ, ein terrain vague. Östlich befindet sich das aufgelöste Gelände des Viehhofs. Noch zeugen einige Gebäude und eine Vielzahl von betonierten Rampenanlagen vom damaligen Massentransport der Rinder auf Güterwägen.

 Analoges Stadtmodell: Tumblingerstraße, alter Viehhof

Analoges Stadtmodell: Tumblingerstraße, alter Viehhof

Dazwischen drückt sich die Tumblingerstraße Richtung stadtauswärts in die dunkel verrußte, von rotgeziegelten Stützwänden und vernieteten Metallstützen getragenen Unterführung unter dem breiten Gleisbett hindurch Richtung Großmarkthalle und deren in die Jahre gekommenen Lagergebäude.

Gleisbett, Lager- und Großmarkthallen

Text und Fotografien: Mauritz Lüps

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