Zusätzlicher Platzbedarf – „Die üblichen Verdächtigen“?

21.Dezember 2011 / von Carmen Keckeis

Wird das Thema Selfstorage und der Bedarf nach zusätzlichem Platz angesprochen, stellt sich zumeist rasch ein Konsens hinsichtlich der „Verdächtigen“ ein – so etwas brauchen doch nur Sammler, „Messies“, alte, schrullige Leute, die sich von nichts trennen können oder Reiche, die sich viel zu viel kaufen.


In der modernen „Wohlstands-“ und „Konsumgesellschaft“ werden immer mehr Menschen verdächtigt, immer mehr zu konsumieren. Und diese Menschen stehen dann vor dem Problem, dass sie nicht wissen, wohin mit den Sachen. Dieses „Phänomen“ äußert sich „logischerweise“ in einem gesteigerten Bedarf nach zusätzlichem Lagerraum.

Die Gründe des Bedarfs nach zusätzlichem Platz liegen jedoch nicht nur in dem „zu viel“ an Besitztümern. Zum einen ist Selfstorage ein urbanes Phänomen und hängt mit der Dichte und dem Platzmangel in Städten zusammen – wenig Platz erfordert die Schaffung von kompaktem, effektivem Wohnraum ohne viel Schnickschnack wie einen Abstellraum oder großzügigen Keller. Außerdem halten sich viele Akteure am Wohnungsmarkt noch an das Leitbild des familiengerechten Bauens und Wohnens – gebaut wird für traditionelle Kernfamilien, Vater, Mutter, Kind(er). Dies wird der Vielfalt an neuen Wohn- und Haushaltsformen nicht gerecht und kann somit alternative Anpassungsformen an die Wohnung, wie die Anmietung eines zusätzlichen Lagerraumes, erforderlich machen. Aber auch die am Arbeitsmarkt verstärkt geforderte Mobilität verlangt, dass man sich von „mobilitätshemmendem Mobiliar“ nicht bremsen lässt oder sich aufgrund der Mühen eines Umzuges gar dagegen entscheidet. Wenn man an seinem Mobiliar hängt, lautet eine Option einlagern.

Die gestiegene Nachfrage nach zusätzlichem Stau- und Lagerraum kann nicht allein durch das „zu viel“ an Besitz erklärt werden. Dies greift zu kurz und kann der Vielfalt der dahinterstehenden Lebenssituationen, -geschichten und -umständen, die einen Bedarf an zusätzlichem Platz hervorrufen, nicht entsprechen. Jedoch ist dieser Rückschluss auch nicht vollkommen falsch. Angesichts des wachsenden Verlustes traditioneller Strukturen und Rückhalte durch die Familie oder Verwandtschaft, scheinen die persönlichen Besitztümer eine immer größere Rolle zu spielen und man „kann“ sich nicht trennen.

Somit stecken hinter dem Bedarf an zusätzlichem Stau- und Lagerraum nicht nur individuelle Lebensgeschichten, sondern auch gesamtgesellschaftliche Entwicklungen können herausgelesen werden. Angesichts des „Booms“ hinsichtlich des Angebots und der Nachfrage, den diese Dienstleistung aktuell im deutschsprachigen Raum erlebt – kann man das „banale Bedürfnis“ nach zusätzlichem Stauraum schon einen „üblichen“ Bedarf nennen?

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